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Sicherung fliegt raus oder FI löst aus: Ursachen und was Sie tun können

Ein ausgelöster Schalter im Verteilerkasten ist erst mal ärgerlich, aber meist harmlos – wenn Sie wissen, was Sie prüfen dürfen und wann Schluss ist. Wir zeigen Ihnen den Unterschied zwischen Sicherung und FI, die häufigsten Ursachen und einen gefahrlosen Selbsttest.

Olivier Meyerhans, Elektrotechnikermeister
Olivier Meyerhans Elektrotechnikermeister · Elektro Meyerhans Dortmund
Veröffentlicht 10. Juni 2026 Aktualisiert 28. Juni 2026
Sicherungskasten mit Leitungsschutzschaltern
Das Wichtigste in Kürze: Der Leitungsschutzschalter (die "Sicherung") schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss, der FI/RCD schützt Sie persönlich vor gefährlichen Fehlerströmen. Fliegt die Sicherung raus, stecken Sie im betroffenen Stromkreis alle Geräte aus, schalten wieder ein und stecken die Verbraucher einzeln zu, um den Verursacher zu finden. Löst der FI wiederholt ohne erkennbaren Grund aus oder riecht, qualmt oder funkt es: nicht weiter probieren – Elektrofachbetrieb rufen.

Sicherung oder FI – was ist der Unterschied?

Im Verteilerkasten sitzen zwei Bauteile, die oft in einen Topf geworfen werden, aber ganz unterschiedliche Aufgaben haben. Wer den Unterschied kennt, versteht auch schneller, warum gerade etwas ausgelöst hat.

Der Leitungsschutzschalter (kurz LS-Schalter, umgangssprachlich "die Sicherung") schützt die Leitung. Fließt zu viel Strom – etwa weil zu viele Geräte an einem Stromkreis hängen oder ein Kurzschluss auftritt – schaltet er ab, bevor die Leitung heiß wird. Er schützt also in erster Linie die Installation vor Überhitzung und damit vor Brandgefahr.

Der FI-Schalter (auch RCD, Fehlerstrom-Schutzschalter) schützt dagegen den Menschen. Er vergleicht ständig, wie viel Strom in einen Stromkreis hinein- und wieder herausfließt. Verschwindet ein Teil des Stroms auf dem Weg – zum Beispiel über einen defekten Draht, Feuchtigkeit oder über einen Körper, der gerade ein defektes Gerät berührt –, spricht man von einem Fehlerstrom. Der FI erkennt diesen Unterschied in Sekundenbruchteilen und schaltet ab. Genau deshalb ist er ein echter Personenschutz und rettet im Ernstfall Leben.

Kurz gesagt: Löst die Sicherung aus, war der Leitung etwas zu viel. Löst der FI aus, ist irgendwo Strom "abgehauen", wo er nicht hingehört – und das ist der ernstere Fall.

Die häufigsten Ursachen

Aus unserer Praxis lassen sich die allermeisten Fälle auf eine Handvoll Ursachen zurückführen:

  • Überlast: Zu viele Verbraucher an einem Stromkreis. Klassiker: Wasserkocher, Toaster und Mikrowelle laufen in der Küche gleichzeitig. Der LS-Schalter schaltet ab, weil die Leitung überfordert wäre.
  • Kurzschluss: Zwei Leiter berühren sich direkt, es fließt schlagartig ein sehr hoher Strom. Ursache ist oft ein beschädigtes Kabel, ein durchgescheuertes Verlängerungskabel oder ein Wackelkontact in einer Steckdose.
  • Defektes Gerät: Ein einzelnes Gerät hat einen internen Fehler und löst beim Einschalten oder im Betrieb aus. Häufig sind es ältere Geräte, Heizstäbe oder Pumpen.
  • Feuchtigkeit und Fehlerstrom: Wasser in einer Außensteckdose, ein feuchter Keller oder ein Gerät im Bad, in das Nässe eingedrungen ist – hier greift meist der FI, weil ein Fehlerstrom entsteht.

Die gute Nachricht: Bei Überlast und einem einzelnen defekten Gerät können Sie oft selbst herausfinden, wo der Hund begraben liegt. Wichtig ist nur, dass Sie dabei nichts an der festen Installation anfassen.

Der gefahrlose Selbsttest – Schritt für Schritt

Wenn eine Sicherung fliegt und Sie den Verursacher finden wollen, gehen Sie ruhig und systematisch vor. Sie brauchen dafür kein Werkzeug und öffnen nichts – Sie arbeiten nur mit Steckern und dem Schalter im Verteiler.

  1. Alle Verbraucher ausstecken: Ziehen Sie in dem betroffenen Stromkreis (also den Räumen oder Steckdosen, die stromlos sind) alle Stecker. Auch Lampen ausschalten und, wo möglich, ausstecken.
  2. Schalter wieder einschalten: Legen Sie die ausgelöste Sicherung im Verteilerkasten wieder ein. Bleibt sie jetzt drin, war die Ursache eines Ihrer Geräte.
  3. Geräte einzeln zuschalten: Stecken Sie nun ein Gerät nach dem anderen wieder ein und schalten es ein. Fliegt der Schalter beim Zuschalten eines bestimmten Geräts wieder raus, haben Sie den Verursacher gefunden.
  4. Verursacher stehen lassen: Nutzen Sie dieses Gerät vorerst nicht weiter und lassen Sie es prüfen oder tauschen. Ist es die Ursache, ist meist das Gerät defekt – nicht Ihre Installation.

Bleibt die Sicherung dagegen schon ohne jedes eingesteckte Gerät nicht drin, liegt der Fehler in der festen Installation. Dann ist der Selbsttest zu Ende – hier gehört ein Fachbetrieb ran.

Wann Sie aufhören und den Fachbetrieb rufen sollten

So hilfreich der Selbsttest ist – es gibt klare Grenzen. Bitte hören Sie sofort auf, weiter zu probieren, und rufen Sie einen Elektrofachbetrieb, wenn eine dieser Situationen zutrifft:

  • Der FI-Schalter löst wiederholt und ohne erkennbaren Grund aus.
  • Es riecht nach verschmortem Kunststoff, es qualmt oder es funkt an einer Steckdose, einem Schalter oder im Verteiler.
  • Eine Sicherung bleibt auch ohne eingesteckte Geräte nicht drin.
  • Steckdosen, Schalter oder Kabel fühlen sich warm an oder haben sichtbare Schäden.

In diesen Fällen ist das mehrfache Wiedereinschalten keine Lösung, sondern ein Risiko. Arbeiten an der festen Elektroinstallation – also alles hinter der Steckdose und im Verteilerkasten – dürfen aus gutem Grund nur durch einen Elektrofachbetrieb ausgeführt werden. Das ist keine Formsache, sondern Ihr Schutz vor Stromschlag und Brand.

Der FI ist Ihr persönlicher Schutzengel im Verteilerkasten. Wenn er wiederholt auslöst, will er Ihnen etwas sagen – dann sollte man ihm zuhören und nicht dagegen anschalten.

Wir kümmern uns bei solchen Fällen zuerst um eine saubere Fehlersuche und Reparatur: Wir messen den Stromkreis durch, grenzen den Fehler ein und beheben die Ursache – statt nur den Schalter wieder einzulegen. Zeigt sich dabei, dass der Verteiler in die Jahre gekommen ist oder ein FI-Schutz fehlt, sprechen wir mit Ihnen über einen zeitgemäßen Zählerschrank beziehungsweise die Verteiler. Was sinnvoll ist, schauen wir uns vorher gemeinsam an – jedes Angebot machen wir individuell.

Und wenn es dringend ist?

Ganz ehrlich: Einen 24/7-Notdienst bieten wir nicht an. Wenn bei Ihnen aber etwas nicht stimmt und Sie sich unsicher sind, schalten Sie den betroffenen Stromkreis oder im Zweifel den Hauptschalter ab und melden sich bei uns. Dringende Fälle planen wir zeitnah ein und schauen uns die Sache an, bevor daraus ein größeres Problem wird. Eine erste Besichtigung ist bei uns kostenlos und unverbindlich.

Sie stehen gerade vor einem ausgelösten Schalter und kommen nicht weiter? Schreiben oder rufen Sie Elektro Meyerhans an – wir sagen Ihnen, ob Sie noch selbst nachsehen können oder ob wir besser vorbeikommen. Nehmen Sie einfach Kontakt auf.

Passt dazu — wir helfen Ihnen weiter:

FAQ

Häufige Fragen

Kurz beantwortet.

Was ist der Unterschied zwischen der Sicherung und dem FI-Schalter?

Der Leitungsschutzschalter – die "Sicherung" – schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss und verhindert so eine Überhitzung. Der FI-Schalter (RCD) schützt dagegen den Menschen: Er erkennt gefährliche Fehlerströme und schaltet ab, bevor Ihnen etwas passiert. Löst der FI aus, ist das der ernstere Fall.

Darf ich die Sicherung einfach wieder einschalten?

Einmal wieder einschalten dürfen Sie. Bleibt sie drin, hilft der Selbsttest: alle Geräte im betroffenen Stromkreis ausstecken, wieder einschalten und die Verbraucher einzeln zuschalten, um den Verursacher zu finden. Bleibt die Sicherung ohne Geräte nicht drin oder löst der FI wiederholt aus, hören Sie auf und rufen einen Fachbetrieb.

Wann sollte ich einen Elektriker rufen?

Immer dann, wenn der FI-Schalter wiederholt ohne erkennbaren Grund auslöst, wenn es nach Verschmortem riecht, qualmt oder funkt, oder wenn eine Sicherung schon ohne eingesteckte Geräte nicht drin bleibt. Arbeiten an der festen Installation gehören ausschließlich in die Hände eines Elektrofachbetriebs.

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